Urban Echoes – Walking on Color
„Urban Echoes – Walking on Color“ ist ein fotografisches Langzeitprojekt, eine Spurensammlung aus derzeit über 300 Städten in über 60 Staaten (zum Spurenarchiv), die die Ästhetik des Vergänglichen, die universelle visuelle Sprache und Verbundenheit urbaner Kulturen und Lebensräume und die stille Poesie menschlicher Spuren thematisiert.
Seit über zwei Jahrzehnten dokumentiere ich fortlaufend auf meinen Reisen farbige Markierungen, Reparaturen, Übermalungen und andere rätselhafte Relikte auf Straßen und Plätzen weltweit. Die daraus entstandenen Asphaltspuren, „Kondensate gelebten Lebens“, sind abstrakte Momentaufnahmen – jedes Bild ist ein visuelles Echo menschlicher Existenz, ein Fragment gelebter Realität und kultureller Vielfalt.
Meine Wandinstallation lädt zur kontemplativen Betrachtung ein und lässt in den Augen der Betrachtenden Narrative entstehen. Die Arbeit wird so zur Projektionsfläche individueller Erinnerungen und kollektiver Erfahrungen – Bilder von Orten, Menschen, Geschichten.
Mit meinen Wegstücken werfe ich einen künstlerischen Blick auf das Übersehene, das Vergängliche und zugleich Universelle – auf Spuren, die Geschichten erzählen, Identität spiegeln und globale Verbindungen sichtbar machen.
Jede der 49,5 x 49,5 cm großen Spuren ist ein Fragment gelebter Realität und kultureller Vielfalt. Es sind Relikte menschlicher Präsenz, verdichtet zu einer vielstimmigen Erzählung über Identität, Wandel und kollektive Erinnerung.
Zugleich steht mein großes Spurenarchiv im gesellschaftlichen und politischen Kontext: Teile der Serie waren Teil des internationalen Kunst- und Friedensprojekts „50 Cities – 50 Traces“, getragen von den Mayors for Peace. Die Spuren reisten drei Jahre lang um die Welt – als visuelle Botschafter für Frieden, Vielfalt und Verbindung.
Realisiert sind meine Arbeiten als Pigmentdrucke auf gebürstetem AluDibond in einer Auflage von 5, rückseitig professionell mit einem zurückgesetzten, umlaufenden U-Profil gerahmt.
Alle Spuren sind gänzlich unverfälscht. Sie sind weder farblich noch in irgendeiner anderen Weise manipuliert. Die spezielle Drucktechnik lässt die Spuren ähnlich mit dem Licht spielen, wie Asphalt in der Sonne.
Die modulare Hängung erlaubt die flexible Anpassung an jede räumliche Gegebenheit. In der Gesamtinstallation fügen sich die einzelnen Stücke zu großformatigen genauso wie zu mittelgroßen und kleinen farbintensiven Wandbildern.
Die modulare Hängung erlaubt die flexible Anpassung an jede räumliche Gegebenheit. In der Gesamtinstallation fügen sich die einzelnen Stücke zu großformatigen genauso wie zu mittelgroßen und kleinen farbintensiven Wandbildern.
„Écriture automatique“
mit Wirklichkeitsfragmenten
Bei ihren Streifzügen durch die Städte in aller Welt löst Klaudia Dietewich Fragmente aus vernarbten, verkleckerten, gerissenen und zerschundenen Asphaltflächen heraus: Rätselhafte Spuren, Relikte, die auf die eine oder andere Weise den Zustand unserer Welt spiegeln. Ihre Fundstücke aus der Serie „Wegstücke“ sind Bruchstücke, die, obwohl ganz ungegenständlich, zu Projektionsflächen der Einbildungskraft werden, Erinnerungen wachrufen, Assoziationen wecken und Geschichten erzählen. Als „Kondensat gelebten Lebens“ stellen sie die Frage, was bleibt von uns und von der Welt, wie wir sie kennen.
Im fotografischen Abzug entfaltet die Oberflächenstruktur der realen Vorlage ihre spezifischen ästhetischen Reize auf dem Bildträger Alu-Dibond. So als habe die Fotografie hier zu ihrem Gegenstand gefunden, das verschwundene und verschwindende Leben ins Bild zu bannen, schafft Klaudia Dietewich mit ihrem Gefühl für Form und Struktur ein Bildarchiv, das einen vermeintlich hinlänglich bekannten Stadtraum neu entdeckt – in Bildern, die gleichzeitig vertraut, irritierend und befremdend sind.
Für Klaudia Dietewich ist die Stadt nicht das unkoordinierte Gewusel der Masse oder das Häusermeer, in dem Sich der Einzelne verliert, sondern ein fast abstraktes Gebilde, in dem der Mensch seine rätselhaften repetitiven Spuren zurückgelassen hat. Hier ist der Ort, an dem für die Künstlerin die große, reine Schönheit der modernen Welt zu finden ist. Was für eine verwirrende Poesie der Flecken, Kratzer, Risse und Schmierereien!
Die Fotografie erweist sich dabei als das Bildmedium, das den Blick der Fotografin als das eigentlich schöpferisch Wirkende ins Zentrum stellt und uns so die Welt immer wieder neu entdecken lässt. Sie ist hier mehr als bloßes Dokument: Sie ist ein zeichenhaftes Kondensat, das der Betrachter in einem Diskurs zu entfalten hat.
Dietewichs Fundstücke sind eine Art fotografischer „écriture automatique“ mit Wirklichkeitsfragmenten. Als in Form geronnene Überreste der Kultur liefern sie der Einbildungskraft eine Matrix, an der diese kulturelle Kodierungsformen einklammern kann, um die Welt mit anderen Augen zu sehen. Die Fotografien oszillieren zwischen einer reinen Wiedergabe des Amorphen und einer Strukturierung des Gesehenen, in der der Betrachter Gegenstände und bildliche Darstellungen zu erblicken glaubt. Die Asphalt- und Wandbilder werden zu Projektionsflächen der Einbildungskraft. Die Fotografien sind Wiedergabe des Chaos und seine Strukturierung zugleich. Das macht ihren rätselhaften Zauber aus.
Im fotografischen Abzug fallen die visuellen Fragmente mit dem Bildträger zusammen. Die Resultate erinnern an abstrakte Kunstwerke und sind gleichzeitig reine Fotografie. Es ist schwer beim Betrachten der Arbeiten nicht die großen Werke der Malerei mitzusehen, die sich heute in unserem kollektiven Gedächtnis tummeln.
(Dr. Otto Rothfuss, Stuttgart)